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Demokratie und die Entstehung der Politik

By Rahim Taghizadegan on May 12, 2014. Comments (0)

Vortrag von Rahim Taghizadegan am 26. April 2014 in Storkow.


Fragen zu "Praxeologie für Ordnung und Sezession" (III)

By Norbert Lennartz on May 10, 2014. Comments (2)


Das Buch soll vor allem zunächst den Zweck erfüllen, dass der Leser versteht, dass die Theorie des Handelns nicht von anderen Wissensfragen losgelöst werden kann. Unser Wissen kann nur durch das Zusammentragen sinnvoller Erkenntnisse gebildet werden, also durch das Handeln von Personen zu Stande kommen und angewendet werden. Eine Theorie, die sich außerhalb dieses Kontextes setzt, kann nicht als Wissenschaft betrachtet werden, sonst wäre das bereits ein logischer Widerspruch. Die Praxeologie hilft in ihrer Einfachheit unnötige Widersprüche zu eliminieren. Man muss dieses epistemologische Angebot nur akzeptieren.

In gleicher Weise hilft die Theorie des Handelns die gesellschaftliche Norm des kooperativen Handelns zu verstehen, denn Kooperation bedeutet mit anderen Personen unter Beachtung bestimmter notwendiger Regeln zu handeln, die Kooperation überhaupt erst möglich machen. Die Ordnung des freiwilligen kooperativen Handelns leitet sich aus dem Begriff der freiwilligen Kooperation apriorisch ab, sobald zwei Menschen den Versuch dazu machen. Ebenso leitet sich die „Ordnung“ des nicht freiwillig kooperativen Handelns aus diesem Begriff ab, denn auch hier wird gehandelt, zunächst indem man die freiwillige Kooperation in irgendeiner Weise (aber auf jeden Fall) ablehnt. Dies ist eine praxeologische Tatsache, die nicht bestritten werden kann, wollte man den Begriff gemeinsam verwenden. Aber eine „Ordnung“ die sich aus der Ablehnung der Kooperation herleitet, die also nur der mehr oder weniger willkürlichen Setzung des so Handelnden entspricht, ist natürlich keine für alle gleichermaßen erstrebenswerte und anwendbare Ordnung, sondern Opportunismus schlechthin.

Fragen zu "Praxeologie für Ordnung und Sezession" (II)

By Norbert Lennartz on May 06, 2014. Comments (1)


Zu Kant: Den Satz vom Widerspruch als Norm zu setzen ist m.E. eine Anwendung des kategorischen Imperativs: Dass A zugleich Nicht-A sei, könne nicht als allgemeines Gesetz gedacht werden, und solle es darum nicht. Der Übergang vom "können" zum "sollen" ist sicherlich problematisch, aber von dir auch nicht aufgehoben. Und "Gesetz" ist bei Kant ja nicht positives Staatsrecht. (Nebenaspekt: Interessant wäre, das Verhältnis zur Dialektik zu untersuchen.) Insofern sehe ich Kants Rechtslehre als weiterhin gültig an, was nicht heißt, dass alle Ableitungen, die er vorgenommen hat, ebenfalls richtig seien.

Der Satz vom Widerspruch ist keine Norm, sondern gehört zur apriorischen Kategorie der Logik. Folglich wird da auch nichts gesetzt. Selbstverständlich gibt es bei mir überhaupt kein Problem mit Sollen, weil ich überhaupt kein Sollen setze. Alles ergibt sich aus den apriorischen Kategorien und ist ableitbar. Die Widerspruchsfreiheit der ganzen Aussagen zueinander macht das deutlich. Zu Kants "Gesetz": Ich sagte in Storkow zum Imparativ, "Werdende-Gesetze ist schon im Duktus falsch." Die "Gesetze" oder die Ordnung ist in den Dingen enthalten und "wird" nicht. Selbst die Römer wussten das schon wie van Dun ja auch auf den Unterschied von lex/ius Bezug nimmt. Wir brauchen auch nicht den Blödsinn von Kant weiter untersuchen, nachdem er einmal Staat voraussetzt, der a priori das Recht geben soll. Einmal dieser Doktrin verfallen, kann sie ja nur positivistisch sein.

Zum Recht: Wenn also die Argumentation, der "performative Widerspruch" sei zur Legitimation ungeeignet, keine Aufhebung der Problematik von Sollens-Sätzen darstellt (anders als Hoppe und der späte Rothbard meinten), dann resultiert aus der Argumentation ein Rechtsgedanke, eben kein positiver staatsrechtlicher, sondern ein natürlich-vernunftrechtlicher. Insofern halte ich am Rechtsbegriff fest.

Wenn-also verstehe ich schon gar nicht. Nachdem ich lang und breit deutlich machte, dass der Rechtsbegriff nichts hergibt, außer positivistische Setzungen, kann man nur die Denkweise angreifen. Ich bin allerdings überzeugt, das ist aussichtslos.

Zum Eigentum: Die Entstehung des Eigentumsrecht aus einer Abmachung von Kooperationswilligen bezweifle ich nicht. Sie ist genau das, was Rousseau im Gesellschaftsvertrag beschreibt (auch hier gilt: man muss nicht allen seinen Ableitungen folgen, ja ihnen vielfach mehr als bei Kant widersprechen; dennoch ist sein Denkansatz wichtig). Die Voraussetzung, den Vertrag einzugehen, ist, wie Rousseau m.E. folgerichtig bemerkt, dass der Mensch "frei geboren" sei, also z.B. nicht als Sklave oder als Teil eines durch impliziten Vertrag begründeten Gemeinwesens. Dies ist das, was Rothbard "Selbsteigentum" nennt. Man kann die Begrifflichkeit bedauern und ablehnen, aber die Sache selbst ist doch m.E. nicht strittig. Aber nicht nur das: Damit eine Person nicht nur sich mit seinem Körper in die Vertragsgemeinschaft einbringen kann, sondern auch ihr "Hab und Gut" und ihre Arbeitskraft, muss sie ebenfalls als rechtmäßiger Eigentümer angesehen werden. Sie kann zwar ihr Eigentum in einen Kollektivbesitz überführen, aber es kann von der Gruppe nicht davon ausgegangen werden, sie habe sowieso schon rechtmäßig Zugriff auf die Person, die Arbeitskraft oder das Hab und Gut des Betreffenden: denn dann würde sie nicht auf seine Zustimmung angewiesen sein. Dies ist m.E. eine Anwendung des Satzes vom Widerspruch. Insofern ist das Eigentumsrecht der Assoziation logisch vorausgesetzt. Denn wenn es kein Eigentumsrecht gäbe, bedürfte es der Assoziation nicht.

Ich habe den Eindruck, Du suchst Dir aus den Theorien einzelner Denker Fragmente raus, die Dir dann Dein Bild bestätigen. Das ist unwissenschaftlich. Eine Wissenschaft entsteht dadurch, dass man sie von unten her apriorisch aufbaut und von oben her empirisch füttert, um zu sehen was da hineinpasst bzw. was zu Widersprüchen führt.

Selbstverständlich wird der Mensch nicht frei geboren. ("Das werden Eintagsfliegen. Der Mensch ist abhängiger als jedes andere Lebewesen. Erst durch sein Denkvermögen kommt er hier zu einer Infragestellung dieser Abhängigkeit. Kommt er nicht darauf, muss er da bleiben, wo er ist.", schreibt mein Verleger.) Der ganze Freiheitsbegriff ist schon in der Diskussion nutzlos. Ich benutze so etwas nicht. Die ganze Theorie, die ich in dem Buch praktiziere, funktioniert ja auch für eine Sklavenhaltergesellschaft, in der die Sklaven eben nicht als juristische Personen betrachtet werden. Eher wie Vieh. Das ist insofern widerspruchsfrei, weil man niemanden zur freiwilligen Kooperation zwingen kann. (Allerdings ließe sich Sklavenhaltung ohne ein Art Gewaltmonopol kaum durchsetzen. Es ist ja nicht universell legitimierbar.) Du schreibst: "Damit eine Person ... sich ... in die Vertragsgemeinschaft einbringen kann, ..., muss sie ... als rechtmäßiger Eigentümer angesehen werden." Eine Person muss ja gerade nicht in eine Vertragsgemeinschaft aufgenommen werden. Vogelfreie sind das beste Beispiel. Erst die freiwillige Kooperation erzwingt es, den Partner als Person zu behandeln. Das sind dann Prämissen des Handelns, hier des freiwilligen kooperativen Handelns.

Kurt Kowalski meint dazu:

"Wenn man die Logik der freien Kooperation zugunsten gesetzter Werte aufgibt, dann ist der Anarchokapitalismus so beliebig wie jede andere Gesellschaftslehre. Und erst dann muss man vom Sein auf ein Sollen (problematischer Weise) ausweichen. Die Folgerichtigkeit von Ursache und Wirkung ist aber kein solches "Gesetz" im Sinne von Kant, in Sinne von Setzung, sondern im Sinne von Sein.

Die Gravitation ist keine Setzung von Newton oder ein Gesetz aus dem Busch, sondern eine zwangsläufige Ableitung aus der Geometrie. (Obwohl das NaturGESETZ heißt) Diese Ableitung auch als positivistische anzusehen, führt ja zur Selbstaufgabe.

Positivismus beschränkt sich nicht auf Staatsrecht."

"Es ist ein großer Schritt von der doch sehr bequemen Selbsteigentumssetzung abzurücken. Es sei denn, man erkennt, dass es für Rousseaus Vertragsgestaltung irrelevant ist, wie jemand geboren ist. Ein Hund hat mit seinem Herrn auch ein Vertragsverhältnis. Und manche Hunde hauen einfach ab; damit haben sie den Vertrag gekündigt. Nicht weil sie von Natur aus frei oder nicht frei geboren sind, sondern weil sie die Norm aufkündigen."

Der moderne Staat und die traumatisierte Persönlichkeit - eine gute Passung

By Heiko Cochius on May 04, 2014. Comments (0)

Vortrag von Heiko Cochius am 26. April 2014 in Storkow.

(auch auf www.youtube.com/watch?v=n8DyZM4kWgM)


Die Grundthese des Vortrags ist es, dass der Staat sich in den mit letzten 150 Jahren mit seinen Sicherheits- und Schutzangeboten zunehmend als positive Bindungsfigur für die Bürger anbietet. Eine in der Bindungsbeziehung traumatisierte Person hat immer ein mehr oder weniger starkes unbewusstes Bedürfnis nach einer starken schützenden Bindungsfigur. Daher entsteht eine unbewusste emotionale Allianz zwischen Staat und traumatisierter Person.

Den Staat als bedrohliches und unmoralisches Herrschaftsinstrument zu entlarven, ist daher für Viele emotional bedrohlich und erntet Abwehr.

Der Vortrag führt diese Gedanken an konkreten Beispielen aus.

Fragen zu "Praxeologie für Ordnung und Sezession" (I)

By Norbert Lennartz on Apr 06, 2014. Comments (0)


Hier antworte ich auf Reaktionen zum Buch Praxeologie für Ordnung und Sezession
Die absolute und aprioristische Eigentumstheorie vieler Libertärer kam mir schon länger seltsam vor. Was sollte man z. B. in einer Privatrechtsgesellschaft mit jemand machen, der verstreut überall winzige Grundstücke kauft, nicht um sie selbst sinnvoll zu nutzen, sondern nur um möglichst viel Geld rauszuschlagen, wenn für irgendein Großprojekt eine zusammenhängende Fläche benötigt wird?

Mit Ihrem Buch betonen Sie, dass die Justiz selbst der Praxeologie unterliegt. Vielleicht interessiert Sie dieser Artikel von Kris Borer: https://mises.org/document/6036/Cause-No-Conflict
Er begründet, dass Eigentum in Bezug auf Handlungen zu verstehen ist (z. B. Schaukeln an einem Ast oder Klettern auf einen Baum), und nicht das Recht, andere von einem physikalischen Gegenstand auszuschließen im Vordergrund steht. (Um einen Baum fällen zu dürfen, braucht man allerdings das exklusive Recht an dem Baum.)

Ich versuche ja klar zu machen, dass man mit Wörten vorsichtig sein muss. Es ist eine uralte Binsenweisheit, dass man aus einer Erscheinung keine Regel ableiten kann (Sein-Sollen-Dichotomie). In dem Fall ist "Recht" und "Eigentum" bloß eine Vorstellung wie etwas sein sollte, um es damit irgendwie zu lösen. Das führt immer zu einem Positivismus, den man mit Gewalt durchsetzen müsste. Der Artikel von Kris Borer erkennt auch an, dass Eigentum mit Handlung zu tun hat, aber nicht, dass Eigentum eine Erscheinung (Idee) ist, die sich anschließend aus den Handlungen ergibt, wenn man das Ergebnis so bezeichnen will.

Einfacher und logisch korrekt ist es zu sagen, dass jeder alles tun darf, solange er sich nicht in einen Selbstwiderspruch begibt. Der Widerspruch als solcher ist bereits in der Logik eine Allzweckwaffe. Es gibt keinen Grund, warum das hier anders sein sollte, wenn wir es logisch betrachten. Und deshalb funktionieren die normativen Angelegenheiten alle über den performativen Widerspruch. (Darauf hat mich der Artikel von Steven Yates gebracht.)

Wenn wir jetzt das Beispiel mit dem Grundstücksankauf nehmen, hängt es davon ab, ob die Gesellschaft mit solchen Leuten kooperieren will oder nicht. Wenn nicht, dann können die den ganz einfach unterdrücken und Gewalt anwenden. Betrachten die es hingegen als eine legitime Handlung, dann dürften sie es schwer haben, es zu verhindern, weil sie mit gerichtlichen Mitteln, also mit einer objektiv wahren Überzeugung, nicht dagegen argumentieren.

Damit eine Sezession gelingt, sollten die Sezessionisten, meiner Ansicht nach, die öffentliche Meinung im gesamten Land für sich gewinnen. Warum sollte Restdeutschland sich nicht darüber freuen, wenn es die verrückten Schwaben endlich los wird, die sich noch nicht einmal dann wirklich für einen neuen Hauptbahnhof begeistern können, wenn sie dafür Geld aus Berlin bekommen …

Gibt es außer Singapur noch mehr Fälle, wo ein Bundesland oder eine Provinz gegangen wurde?

Wenn sich BaWü von der BRD trennt, dann ist das Separatismus. Es ist klar, dass das so ein Vorgang von der öffentlichen Meinung abhängig ist. Mir schweben Sezessionen im sehr viel kleineren Format vor. So ein gerade neues Separationsgebiet kann da eine gute Gelegenheit sein, weil die Separatisten ja schlecht sagen können, "was wir gerade gemacht haben, dürft ihr nicht machen". Außerdem ist die Verwaltung anfangs wahrscheinlich noch nicht besonders effektiv. Wenn man jetzt berücksichtigt, dass z.B. die EU sich selbst zerstört, dann könnten überall Separationen entstehen (Katalonien, Schottland, Flandern, Südtirol, Venetien usw.), also Gebiete, die anfällig für individuelle Sezessionen sind.

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