Der Apriorist - Blog 15. Jan. 2014

Bemerkungen zu Knappheit

von Norbert Lennartz

Tags: Rechtspositivismus, Praxeologie | Comments (0)

Einige Theoretiker strapazieren den Begriff der Knappheit.

Z.B. Hans-Hermann Hoppe: "Ein Konflikt ist erst dann moeglich, wenn Gueter knapp sind, und erst dann wird es zum Problem, Regeln zu finden, die ein geordnetes – konfliktfreies – Zusammenleben ermöglichen."

Zunächst kann man Knappheit unterschiedlich verstehen.
1. Dinge, die in großer Menge vorhanden sind, erscheinen uns nicht knapp. Dieser Gedanke ist zunächst vollkommen abstrakt.
2. Dinge werden knapp, wenn sie in gewisser Form begehrt werden, so dass die letzte Einheit davon ökonomisch interessant wird. Bezeichnender Weise ist das eine prinzipielle Definition für das Fachgebiet der Wirtschaftswissenschaft. Ökonomen interessieren sich für die Gesetze knapper Güter.

Die zweite Konnotation ist nun relevant, denn es ist praxeologisch unerheblich wie wir die Mengen an Gütern abstrakt beschreiben. Güter werden erst durch Handlung knapp. Nämlich dann, wenn eine Person weniger über die erwünschten Dinge verfügen kann wie sie eigentlich möchte. Dies kann daran liegen, dass an Ort und Zeit per se zu wenig davon da sind. Es kann aber auch daran liegen, dass gleiche Güter von verschiedenen Personen begehrt werden und sie somit im Wettbewerb/Konflikt der Akquisition um diese Güter geraten, während andere Dinge (obwohl sie nicht in großer Menge vorhanden sind) von diesem Wettbewerb überhaupt nicht betroffen sind.

Wir wissen also nicht von vorn herein welche Güter im praxeologischen Sinne "knapp" sind. Das kann nur das Handeln von Personen entscheiden. Und die Personen entscheiden dabei auch, was die genaue Definition bzw. der Umfang der "Güter" ist. Es muss also keineswegs so sein, dass 2 konfliktierende Parteien von vorn herein um die selbe Sache, die sie begehren, streiten. Es kann auch sein, dass sie für sich ein Gut sehr großzügig abgegrenzt haben. Der Bauer hat z.B. einen Feldweg gezogen. Sollte er jetzt einen absoluten und exklusiven Anspruch auf den Feldweg besitzen oder sollte es anderen Menschen trotzdem erlaubt sein, ihren Hund dort spazieren zu führen, obwohl sie dem landwirtschaftlichen Betrieb überhaupt nicht im Wege stehen?

Die Regeln sollten also nicht allein aus der "Akquise" abgeleitet werden, denn die konfliktierende Sache könnte durch entsprechende Handlung weiter eingegrenzt oder bestimmt werden. Die Definition von Gütern bleibt dabei ggf. offen, weil wir es beim Handeln nicht immer besser wissen.

Der Konflikt oder der begrenzte Zugriff geht der Knappheit (im Sinne von 2.) voraus. Die Knappheit ist für die abstrakten ökonomischen Gesetze relevant, aber nicht für die rechtlichen Regeln zwischen den konfliktiernden Parteien. Die rechtlichen Regeln (oder besser "Normen") sind innerhalb des Begriffes der Handlung zu finden. Es ist unzulässig Normen über Güter zu setzen, nur weil man sie positiv für knapp hält. Im soziologischen Sinne ist die "Knappheit" ein Ausfluss der konkreten Handlung. Knappheit ist kein Axiom. Es ist daher irreführend so zu sprechen wie es einige Ökonomen tun.




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