Der Apriorist - Blog 15. Jun. 2011

Mises über die Soziale Marktwirtschaft im Jahr 1966

von Norbert Lennartz

Tags: Soziale Marktwirtschaft, Human Action | Comments (0)

Vordergründig ist der Streit um die Verteilung der Annehmlichkeiten der Sozialen Marktwirtschaft - also der Verteilung der Einnahmen des Staatshaushaltes. Der Gegensatz zwischen Kapitalisten und Sozialisten erklärt sich besser an der Art die Güter zu produzieren, die die Leute wünschen, erklärt Mises 1950. Entweder entscheiden die Konsumenten im Markt, was produziert werden soll und wie die Produktionsfaktoren zu verwenden sind, oder es entscheidet der Staat darüber und zwar in der Weise wie er es auch im Sozialismus tun müsste, nämlich als Eingriff in den Markt oder als Eingriff in das Lenkungssystem des Marktes: den Preisen (und Kosten), die dafür verantwortlich sind, wieviel und was produziert werden kann.

1966 hat Mises dieses Argument zur Vollkommenheit ausformuliert: Er schrieb eine wichtige Ergänzung zur dritten Auflage von 'Human Action':

„Anhänger der neusten Variante des Staatsinterventionismus, der deutschen 'Sozialen Marktwirtschaft', betonen, eine Marktwirtschaft sei die denkbar beste Wirtschaftsordnung, und sie seien grundsätzlich gegen Regierungsallmacht, wie sie charakteristisch für alle Formen des Sozialismus sei. Aber all diese Anwälte einer 'Politik des mittleren Weges' betonen gleichermaßen, daß sie natürlich auch gegen 'Manchestertum' und 'laissez-faire Liberalismus' seien. Es ist notwendig, sagen sie, daß der Staat in das Marktgeschehen eingreife, wann immer und wo immer das 'Spiel der ökonomischen Kräfte' freie Ergebnisse hervorbringe, die 'unerwünscht' sozial seien. Indem sie diese Behauptung aufstellen, unterstellen sie, es sei die Aufgabe der Regierung, in jedem einzelnen Fall zu beurteilen, ob eine bestimmte ökonomische Tatsache sozial wünschenswert sei oder nicht, und entsprechend ob der Staat in das Marktgeschehen einzugreifen habe oder nicht.

All diese Propagandisten des Interventionismus erkennen nicht, daß ihr Programm damit die Anerkennung einer Staatsallmacht sämtliche ökonomische Angelegenheiten betreffend bedeutet und letztendlich einen Zustand herbeiführt, der sich in nichts von dem unterscheidet, was als 'Hindenburg-Sozialismus' bezeichnet worden ist. Wenn die Regierung das Recht hat zu entscheiden, ob bestimmte ökonomische Gegebenheiten einen Eingriff rechtfertigen oder nicht, dann ist kein Handlungsbereich mehr dem Marktgeschehen überlassen. Dann sind es nicht länger die Konsumenten, die bestimmen was produziert wird, in welcher Menge und welcher Qualität, von wem, wo und wie - sondern es ist die Regierung. Denn sobald ein Ergebnis, das der freie Markt hervorgebracht hat, sich von dem unterscheidet, was die staatlichen Autoritäten als sozial wünschenswert betrachten, greift die Regierung ein. Das heißt, der Markt ist frei, solange er genau das tut, was die Regierung von ihm erwartet. Er ist frei das zu tun, was die staatlichen Autoritäten als 'richtig'‚ betrachten, aber nicht das, was sie für 'falsch' halten; die Entscheidung darüber, was richtig und was falsch ist, liegt bei der Regierung. Lehre und Praxis des Interventionismus tendieren damit letztlich dahin, das aufzugeben, was sie ursprünglich vom Vollsozialismus unterscheiden sollte, um stattdessen die Prinzipien totalitärer Wirtschaftsplanung zu akzeptieren.“

Ludwig von Mises. Human Action'. Third revised edition, Chicago, IL: Henry Regnery, 1966: p.723-24.




Kommentare (1)

  1. Norbert Lennartz:
    Jun 17, 2011 at 01:24 PM

    Vergleiche auch Hülsmann http://mises.org/daily/2732





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