Der Apriorist - Blog 10. May. 2014

Fragen zu "Praxeologie für Ordnung und Sezession" (III)

von Norbert Lennartz

Tags: Wissenschaft, Normen, Praxeologie, Kooperation | Comments (0)

Das Buch soll vor allem zunächst den Zweck erfüllen, dass der Leser versteht, dass die Theorie des Handelns nicht von anderen Wissensfragen losgelöst werden kann. Unser Wissen kann nur durch das Zusammentragen sinnvoller Erkenntnisse gebildet werden, also durch das Handeln von Personen zu Stande kommen und angewendet werden. Eine Theorie, die sich außerhalb dieses Kontextes setzt, kann nicht als Wissenschaft betrachtet werden, sonst wäre das bereits ein logischer Widerspruch. Die Praxeologie hilft in ihrer Einfachheit unnötige Widersprüche zu eliminieren. Man muss dieses epistemologische Angebot nur akzeptieren.

In gleicher Weise hilft die Theorie des Handelns die gesellschaftliche Norm des kooperativen Handelns zu verstehen, denn Kooperation bedeutet mit anderen Personen unter Beachtung bestimmter notwendiger Regeln zu handeln, die Kooperation überhaupt erst möglich machen. Die Ordnung des freiwilligen kooperativen Handelns leitet sich aus dem Begriff der freiwilligen Kooperation apriorisch ab, sobald zwei Menschen den Versuch dazu machen. Ebenso leitet sich die „Ordnung“ des nicht freiwillig kooperativen Handelns aus diesem Begriff ab, denn auch hier wird gehandelt, zunächst indem man die freiwillige Kooperation in irgendeiner Weise (aber auf jeden Fall) ablehnt. Dies ist eine praxeologische Tatsache, die nicht bestritten werden kann, wollte man den Begriff gemeinsam verwenden. Aber eine „Ordnung“ die sich aus der Ablehnung der Kooperation herleitet, die also nur der mehr oder weniger willkürlichen Setzung des so Handelnden entspricht, ist natürlich keine für alle gleichermaßen erstrebenswerte und anwendbare Ordnung, sondern Opportunismus schlechthin.




Kommentare (2)

  1. Thomas Leske:
    May 10, 2014 at 09:49 PM

    Vielleicht wäre es besser, die(?) Ordnung des freiwilligen kooperativen Handelns nicht aus der Vogelperspektive zu sehen, sondern aus Sicht einer der beiden Parteien.

    Partei A macht ein Kooperationsangebot an B, indem sie nach einer Maxime handelt, die allgemeines Gesetz werden könnte (d. h. die nicht zu Krieg führen würde, wenn B ebenfalls nach der Maxime handeln würde (ggf. mit Rollentausch)). A erklärt ihr Handeln auf Nachfrage gegenüber B. A weiß aber nicht, ob B mit ihr kooperieren will.

    B erhält also ein Versprechen von A, B's Willkür in bestimmten Bereichen nicht zu behindern (A erkennt Eigentum von B an, wie es gemäß der Maxime definiert ist).

    B weiss aber auch, dass A sich vorbehält, den Konflikt begrenzt zu eskalieren (Notwehr/Justiz), wenn B in Eigentum eingreift, das der Maxime nach A zusteht.

    B kann nun zwar mit A kooperieren wollen, aber vielleicht unter einer inkompatiblen Maxime. Z. B. will A Linksverkehr auf den Straßen und B Rechtsverkehr. In diesem Konflikt könnte einer der beiden natürlich nachgeben, ohne dass er etwas verliert. Aber Risiken könnte man nicht so leicht handhaben: Muss A dulden, dass B neben ihrem Haus eine Feuerwerksfabrik oder einen Mobilfunkmasten errichtet? Nach welcher Maxime sollen Risiken modelliert, bewertet und abgewogen werden?

    Dass A und B kooperieren wollen, schließt also noch nicht aus, dass ein Konflikt entsteht. Wenn A und B im Konfliktfall aber nur begrenzt eskalieren (gemäß Notwehr- und Justizprinzipien), ist immer noch eine begrenzte Kooperation möglich.

    Vielleicht ist es gerade das Wesen von Notwehr und Justiz, dass noch ein begrenztes Kooperationsangebot aufrecht erhalten wird, wenn es vertretbar ist (bei Mord meiner Meinung gar nicht).

  2. Hermann Meßmer:
    May 11, 2014 at 10:21 PM

    Die Ordnung der freiwilligen Kooperation ergibt sich aus einem mittleren Konsens der kooperierenden Personen. Dieses Mittelmaß stellt ein Maximum der Zustimmung bei kleinstem Aufwand dar. Vielleicht ist das die „Maxime“ von der Du sprichst?
    So wie ich heute Versicherungsverträge akzeptiere, obwohl mir nicht jede Formulierung gefällt. Mein Aufwand diese Wunsch-Formulierung individuell auszuhandeln steht in keinem Verhältnis zu meinem Aufwand um sie zu verändern. Deshalb akzeptiere ich im Normalfall die bestehende Formulierung. Diese Handlungsweise darf auch für viele andere Menschen angenommen werden. Die Zustimmung zu dem Vertrag erfolgt nach Interessenabwägung freiwillig.
    Die Beurteiung eines Risikos ist sehr individuell. Die Nutzung des Nachbargrundstückes für eine Feuerwerksfabrik richtet sich daher auch nach dem Widerstandswillen der Anwohner und deren Widerstandspotential. Aktiver Widerstand verursacht beiden Seiten Kosten. Es bleibt damit eine Interessenabwägung auf beiden Seiten was erduldet oder zugemutet wird.
    Ohne einen zugrundeliegenden Konsens kann ich die Worte Notwehr und Justiz nicht einordnen. Ich denke von Widerstand zu sprechen ist angemessener weil neutral. Notwehr scheint ja in dem Kontext irgendwie gerechtfertigt zu sein, noch dazu wenn es mit „und Justiz“ verbunden ist. Woher soll die Rechtfertigung kommen, wenn nicht aus dem Konsens?





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