Der Apriorist - Online Magazin 1.1 veröffentlicht: 31. Oct. 2010

Anlage AUS und KAP ausfüllen

von Norbert Lennartz

Durch viele kleine Änderungen des Steuerrechtes ist die Steuererklärung der Kapitalerträge ab 2009 zusätzlich unüberschaubar geworden und erschwert worden. Der Beitrag soll helfen, die Art und Weise der Steuer nachvollziehbar zu machen und um die Beträge in die richtigen Zeilen eintragen zu können.

Tags: Steuertips, Steuererklärung, Kapitalanlage | Comments (0)

Steueränderungen. Was ist passiert?

Dies ist eine gekürzte Version. Für die Auflistung der relevanten Steueränderungen und der Fußnoten, siehe PDF-Version.

Einfacher Fall: Beispiel Zinsen und inländische Dividenden

Sie erhielten im Steuerjahr 2009 z.B. 1.801 € Zinsen. Es gilt die Abgeltungssteuer (25%) auf Kapitalerträge, die ihre Bank (im Inland) an den deutschen Fiskus abführen muss. Dazu werden auch noch Soli (5,5 % der Abgeltungssteuer) und Kirchensteuer berechnet (wodurch man aufsummiert auf 28% kommen kann).

Kapitalertrag: 1.801 € (Zeile 7 KAP, immer 2009)
Ihr Freistellungsauftrag: 801 € (In Anspruch genommener Sparerpauschbetrag, Zeile 14 KAP)
mit Abgeltungssteuer behandelter Kapitalertrag: 1.801-801 = 1.000 €
Abgeführte KESt: 1000*-0,25 = -250 € (Zeile 49 KAP)
Abgeführter Soli: -250*0,055 = -13,75 € (Zeile 50 KAP)

Diese Werte wären in Anlage KAP einzutragen. Ihre tatsächlich fällige Steuer berechnet sich nach der Steuererklärung aus Ihrem zu versteuernden Einkommen gemäß ihrem persönlichen Steuersatz neu. Ist Ihr Steuersatz dann unter dem der pauschalen Abgeltungssteuer von 25%, erhalten Sie eine Steuererstattung. WICHTIG: In dem Fall ist zusätzlich in Anlage KAP die sogenannte „Günstigerprüfung“ anzukreuzen, damit das Finanzamt das auch wirklich berücksichtigen muss.

Ausländische Quellensteuer

Ich erkläre zunächst einmal den häufigen Fall. Sie besitzen z.B. amerikanische Aktien in einem deutschen Depot. Auf deren Erträge werden 15% ausländische Quellensteuer berechnet, die auf deutsche Steuern anrechenbar sind. Die anrechenbare Quellensteuer wird seit dem Steuerjahr 2009 gegen die zu zahlende Abgeltungsteuer gerechnet. Es kommt dadurch also nicht zu einem höheren Abzug als ohne anrechenbare Quellensteuer.

In den meisten Ländern unterliegen die Erträge von Wertpapieren einer ausländischen Quellensteuer, durch die die Erträge gemindert werden. Soweit mit dem betreffenden Staat ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht, können Anleger bei der Steuerveranlagung die einbehaltene Quellensteuer anrechnen lassen (oder als Werbungskosten bei Kapitaleinkünften geltend machen). Der deutsche Fiskus hat den anrechenbaren Teil aber auf 15 Prozent beschränkt. Im Falle einer höheren Quellensteuer muss sich der Anleger die Steuern vom Quellensteuerstaat zurückholen (was sich bei einfachen Größenordnungen aber wegen der anfallenden Bankgebühren nicht lohnt). Ausländische Kapitalerträge tragen Sie in die „Anlage KAP“ und „AUS“ ein. Diese Bögen müssen Sparer jedoch nur dann ausfüllen, wenn die in- und ausländischen Kapitalerträge den Sparerpauschbetrag von 801 € übersteigen. Denn bis zu dieser Höhe bleiben die Kapitalerträge steuerfrei und ausländische Quellensteuer ist durch die Bank soweit angerechnet worden. Wenn Anleger jedoch höhere Kapitalerträge (siehe Zeile 7 in Anlage AUS) hatten und somit ausländische Quellensteuer einbehalten wurde, können sie sich diese auf die tatsächliche Einkommensteuerschuld anrechnen lassen (Standardfall) oder als Aufwand gewinnmindernd abziehen lassen (Ausnahmefall). Soll die Quellensteuer auf die Steuerschuld angerechnet werden, müssen Anleger diese in Zeile 10 in Anlage AUS eintragen.1 Steuerzahler, die die ausländische Quellensteuer als Aufwand verrechnen wollen, geben diese in den Zeile 92 an.3 Jetzt stellt sich die Frage, wann lässt man anrechnen und wann den Gewinn mindern. Der anrechenbare Steuersatz beträgt immer 15%. Damit sich die Gewinnminderung lohnen kann, muss Ihr persönlicher Grenzsteuersatz über den 15% liegen. Das ist schon bei etwa 8500 € zu versteuerndem Einkommen der Fall. WICHTIG: Eine „Günstigerprüfung“, die das Finanzamt vornehmen müsste, gibt es hier anscheinend nicht. Ich will gar nicht wissen, wieviele Leute sich hier zwangsläufig schon vertan haben.

Soweit scheint alles geklärt zu sein. Ich habe Ihnen die wichtigen Zeilen in den den Formularen genannt und es könnte ans Ausfüllen gehen. Leider steckt der Teufel im Detail, denn der Gesetzgeber weiß mal wieder nicht, was er da angerichtet hat, bzw. nimmt es billigend in Kauf. Seit der Anlage KAP für 2006 steht oben der dringende Hinweis auf dem Formular „Bitte Steuerbescheinigungen im Original beifügen!“. Dieser Anweisung sollten Sie auf keinen Fall zu ernst nehmen. Die Banken spielen hier oft gar nicht mit.4 Hinzugekommen ist, dass die Steuer-Änderungen schon vor 2009 den Banken erhebliche Umstellungsprobleme bereitet haben. Steuerabrechnungen der Banken sind oft undurchschaubar, sind ggf. auch fehlerhaft und stimmen oft gar nicht richtig mit dem überein, was das Finanzamt wünscht. Dies dürfte sich im Steuerjahr 2009 mit der neuen Abgeltungssteuer noch verschlimmert haben und die Finanzdirektionen scheinen dies auch schon zu ahnen, denn auf der Anlage KAP Zeile 7-13 ist etwas Wichtiges hinzugekommen. In der linken Spalte dürfen Sie die Angaben aus den Steuerbescheinigungen der Banken eintragen. In der rechten Spalte geht es um Ihre eigenen Korrekturen genau dieser Bescheinigungen. Und dann verlangt man von Ihnen auch noch diese Korrekturen auf einem besonderen Blatt zu erläutern. Das kann es einem vollständig verleiden. Ich empfehle keine Korrekturen vorzunehmen oder wenn doch, dann diese in einem Begleitschreiben kurz anzusprechen, dass Sie in dem Chaos mühsam etwas anderes errechnet haben und das Finanzamt bitten, den Fehler noch einmal selbst nachzurechnen. Sie bitten das Finanzamt um eine E-Mail-Adresse, wo sie sämtliche Online-Bankbelege hinschicken können. Das wird Ihr Finanzamt dann bestimmt nicht tun.

Ein weiterer Pferdefuß der deutschen Bürokratie wartet in Anlage AUS. Hier sind wie gewohnt die Einkünfte und ausländischen Steuern für jedes Land separat anzugeben. Ihre Bank wird sich wahrscheinlich nicht die Mühe gemacht haben, für Sie die Separierung nach Ländern vorzunehmen. Die Banken sind im Moment froh, wenn sie überhaupt halbwegs Ordnung in ihre Läden bekommen. D.h. wenn Sie Dividenden aus mehreren Ländern haben, müssen Sie, ausgehend von den hoffentlich stimmigen Gesamtbeträgen, selber ausrechnen wieviel auf die einzelnen Ländern entfällt. Um das herauszukriegen, muss man alle relevanten Buchungen der Bank noch mal genau durchsehen und nachrechnen, auch wenn es für die tatsächliche Steuererhebung unerheblich wäre. Eine Rolle spielte das m.E. nur, wenn die anzurechnenden Quellensteuersätze unterschiedlich wären. Wie geschieht die Berechnung bei der Bank?

Ausländische Dividenden werden im Wert der Fremdwährung und abzüglich ausländischer Quellensteuer eingebucht. Steuerbemessungsbetrag ist aber die Brutto-Dividende. Darauf wären 25% Abgeltungssteuer zu leisten. Von diesem Steuerbetrag wird dann jeweils vom Freistellungsbetrag oder von der anrechenbaren ausländischen Quellensteuer ein entsprechender Betrag abgezogen. (Bei Verkäufen werden auch Verkaufsverluste abgezogen für die ebenfalls ein Konto mitgeführt wird.) Haben Sie zwischendurch normale Zinserträge, können auf diese ebenfalls Beträge aus dem Topf der ausländischen Quellensteuer angerechnet werden. Die ganzen Konten müssen also ständig mitgeführt werden.

Fazit

Wie wir sehen, liegen die Schwierigkeiten der Steuererklärung weniger im Ausfüllen der Formulare selber, sondern a) im Nachvollziehen des Steuerrechts, b) im Chaos der Verbuchungen verschiedenster Töpfe, c) im Nachrechnen am eigenen PC, im Anwenden der öffentlichen ELSTER-Software (soweit sie denn überhaupt zur Verfügung steht) und besonders d) im Klarmachen der Ansprüche beim Finanzamt.

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