Der Apriorist - Online Magazin 3.1 veröffentlicht: 07. May. 2012

Review: Was Österreichische Gelehrte über Logik wissen sollten

von Norbert Lennartz

Steven Yates beleuchtet im Der Apriorist - Online Journal 3.2 – ergänzend zur Praxeologie in Human Action – die Beziehungen zu den Grundlagen der Logik und gibt Hinweise auf die Beantwortung der empirischen Praktiken, die zwangsläufig im Konflikt mit der Logik stehen.

Tags: Österreichische Schule, Logik | Comments (3)

Steven Yates beleuchtet im Der Apriorist - Online Journal 3.2 – ergänzend zur Praxeologie in Human Action – die Beziehungen zu den Grundlagen der Logik und gibt Hinweise auf die Beantwortung der empirischen Praktiken, die zwangsläufig im Konflikt mit der Logik stehen.

Der erste Abschnitt verdeutlicht, dass die Begriffe Logik, Begründen und Argumentation das Gleiche – nur aus verschiedenen Blickwinkeln – bezeichnen, Logik und Vernunft (Logik lehrt nur die Vernunft) also immer als zentrales Werkzeug zu verstehen ist. Wir nehmen in unserer Handlung also stets Bezug auf die Logik. Bei einer deduktiven Wissenschaft, wie es die Praxeologie ist, lassen sich mit der Logik aus Prämissen Schlussfolgerungen ziehen, die garantiert wahr sind, sofern die Prämissen korrekt gewählt sind. Doch wie können wir über die Prämissen „sicher“ sein? Sie sind so „sicher“, wie sie notwendig sind. Wahrheiten sind universell, wenn wir sie im Versuch sie zu verleugnen, uns dennoch selbst darauf beziehen müssten.

Im zweiten Abschnitt lenkt Yates daher die Perspektive auf diese Grundlagen der Logik, da in ihnen das Potential für eine vernünftige (im wahrsten Sinne „vernünftige“) Wissenschaft liegt, deren Denkmuster ein Apriorismus ist – die Forderung, dass es Sätze gibt, deren Wahrheit intellektuell und nicht empirisch erfasst sind und dass unter diesen die grundlegenden Wahrheiten der Soziologie sind – wie das Handlungsprinzip.

Zu den Grundlagen dieses Konzepts gehören die Prinzipien der Identität und des Widerspruchs – Aristoteles’ „Gesetze des Denkens“, die – wenn notwendig realistisch ausgelegt – nicht nur als Gesetze des richtigen Denkens, sondern der Realität sind.

Es gibt auch keinen Hinweis auf eine Veränderlichkeit der Vernunft. Mises meint: „Die Kategorien des menschlichen Denkens und Handelns sind weder willkürliche Produkte des menschliches Verstandes noch Konventionen.“ Und: „Die grundlegende logischen Relationen und die Kategorien des Denkens und Handelns sind letztgültige Quellen allen menschlichen Wissens.“

Man mag es als einen „extremen Fundamentalismus“ ansehen, aber da wir in der Welt handeln und denken, was nur aufgrund letztgültiger Gesetze der Logik möglich ist (Gesetze, die nicht nur für den Menschen gelten, sondern für die Welt allgemein) informiert uns unser Verstand auch über die Realität in der Welt. Es kann nicht voneinander getrennt werden. Es gibt somit keine philosophische Kluft mehr zwischen einer mentalen und einer realen, äußeren Welt, denn, so Hoppe, „es ist durch Handlungen, dass Verstand und Realität Kontakt aufnehmen.“

Diese Einheit führt dazu, dass auch das Kausalprinzip mit Ursache und Wirkung real richtig begriffen wird, da vom Verstand als „Ding an sich“ auferlegt (Abschnitt 3). Das Fehlen der Kausalbeziehungen würde eine Orientierung für das Handeln unmöglich machen. Die Selbstverständlichkeit dessen wird oft nicht wahrgenommen, wie etwa, dass ein Kind lernt, sich nicht am Ofen zu verbrennen. Andererseits ist das Prinzip, so abstrakt, dass es manchen überzeugten Vertretern einer Statistik erst klar gemacht werden muss, dass die angenommene Ursache auch eine andere sein kann. Dies ist der Grund, dass zwischen Deduktion und Induktion sauber unterschieden werden muss. Induktion kann uns nicht über Wahrheit, sondern nur über gewisse Wahrscheinlichkeiten informieren.

Abschnitt 4 schließt daraus, „dass die in methodischem Apriorismus verkörperte, besondere Philosophie der Logik und diese Angelegenheit der Kausalität sowohl zu einer vernichtenden Kritik des Empirismus einlädt als auch eine umfassende Erkenntnistheorie als eine tragfähige, ebenso umfassende Alternative verspricht“. Der Empirismus hat zu einem Nihilismus auf die Grundlagen der Logik geführt. Stattdessen kam es zu einer verwirrenden, exponentiellen Vermehrung theoretischer Instanzen, deren Unzweckmäßigkeit nicht erkannt wurde und zu sinnlosen formalen und philosophischen Debatten führte. Die Kenntnis über die logischen Grundlagen und den wissenschaftlichen Zerfall der empiristischen Rhetorik bietet daher heute eine enorme intellektuelle Waffe gegen den Empirismus, der nicht mehr als Meinungen produziert, die nur durch Mehrheiten und Solidarität aufrechterhalten werden können.

In Abschnitt 5 weist uns Yates darauf hin, wie man die logischen Werkzeuge grundsätzlich anwenden kann. Die apriorische Tautologie ist zwar selbst-bestätigend. Das ist schon mal ganz gut, aber in Form des performativen Widerspruchs lässt sich gleich auch die empirische These widerlegen. Vor allem ist der Empirismus ein Gegenbeispiel von sich selbst, nämlich dass er durch sinnliche Erfahrung begründet werden kann, was freilich nicht gegeben ist. Insofern ist der Empirismus grundsätzlich „selbstreferentiell inkonsistent“. Da dies für den gesamten Empirismus gilt, ist die Form des performativen Widerspruchs auf diesen in breiter Form anwendbar.

„Wie Hoppe … außerdem feststellt, wird der Empiriker nicht wirklich handelnde Menschen beobachten; was er beobachtet, sind Körperbewegungen …“, wie sie im Behaviorismus beobachtet werden. Der handelnde Behaviorist, der selbst rational versucht, über seine Wissenschaftsform zu entscheiden, ist ein Paradox. Da all dies Handlungen sind, kann diese selbstreferentielle Konstruktion nur funktionieren, wenn sie auch auf sich selbst angewendet wird.

Angesichts dieser Argumente bleibt den Empiristen (Abschnitt 6) nur noch eine letzte absurde Zuflucht gegen die Logik, nämlich dass sie selbst nicht universell sei. Es wird gern die These in den Raum gestellt, dass die Logik selbst in einer anderen Weise möglich oder sinnlich erfahrbar sei (bis hin zur Erfindung von Paralleluniversen). Der Empirismus bietet schließlich Instanzen, um dies genussvoll anzunehmen zu können. Nur können diese empirischen Instanzen nicht die Metaebene einer logisch korrekten Theorie erreichen. In der Empirie mögen diese Widersprüche aufgrund der jeweiligen Umstände auftreten, so aussehen als seien die Instanzen tatsächlich logisch korrekt. Auf die auf notwendigen Prämissen einer deduktive Theorie kann dies jedoch nicht den geringsten Einfluss haben.

Oder es wird so getan, als würden die Sinne die jeweilige Logik eines Wesens bestimmen. Dies ist ebenfalls Unfug, da die Sinne lediglich die Tatsachen auswählen, die sie an den Verstand melden. Diese Tatsachen mögen sehr unterschiedlich sein. Das ändert aber nichts daran, dass auch Wesen, die vielleicht taub oder blind sind, (mittels unveränderlicher Gesetze der Logik) prinzipiell genauso fähig sind, die gleichen deduktiven Schlüsse zu ziehen, gleichgültig wie sie die Tatsachen erfahren haben.

„Was jede Form von Polylogismus widerlegt, ist die Erkenntnis, dass es höchstens einen Satz logischer Kategorien (neben ihren logischen Folgerungen) geben kann, deren exakte Natur in den aristotelischen Prinzipien der Identität und des Widerspruchs impliziert ist.“

Die Muster des Polylogismus wiederholen sich und sind vorhersehbar.

Im letzten Abschnitt (7) weist Yates darauf hin, dass diese logische Anwendung nicht auf die Ökonomie begrenzt ist, insofern auch nicht auf eine Österreichische „ökonomische“ Schule, sondern sie bietet im Zusammenspiel der interdisziplinären Fachbereiche Potential neuer fruchtbarer Erkenntnisse. Jede Schule, die ihren eigenen Kult abfeiert, steht in Gefahr allzu technisch zu werden. Die wünschenswerte Gelehrsamkeit sollte sich immer über ihre eigenen Wurzeln klar bleiben und zuerst ihre eigene Methodik verstehen lehren.




Kommentare (3)

  1. freiheitistunteilbar:
    May 09, 2012 at 03:54 AM

    Nobby rulez mal wieder. :) Lange nichts von dir gehört. Es gab kürzlich einen kleinen Disput auf Grundlage eines Artikel von Prof Dr. Bouillion: http://arslibertatis.com/fuer-weniger-hysterie-in-der-urheberrechtsdebatte/#comments

    Was sagst du zu der Behauptung:

    Hoppes Irrtum liegt in der Annahme, daß die Notwendigkeit einer Bedingung deren Universalierung impliziere. Diese Annahme ignoriert, daß aus logischen Gründen nicht von einem Ist-Zustand auf einen Sollens-Zustand geschlossen werden kann.

    Hat da wieder einmal jemand Hopee nicht verstanden? :D

    Schließt Hoppe vom Sein aufs Sollen, wenn er feststellt, dass Selbsteigentum die Grundlage darstellt, um Verträge schließen zu können?

  2. Ilja:
    May 13, 2012 at 07:59 PM

    Es fällt schon auf, dass (sowohl im Originalartikel als auch in der review) geradezu demonstrativ der Poppersche kritische Rationalismus totgeschwiegen wird. Obwohl seine Position ja gerade zur Frage von Aussagen a priori höchst interessant ist und gar nichts mit Empirismus zu tun hat: All unsere Theorien sind danach logisch a priori, nichts ist aus Beobachtung abgeleitet. Beobachtung dient lediglich der Überprüfung der Theorien. Also gibt es synthetische Aussagen a priori - lediglich absolut sicher sind sie nicht.

    Schwer zu sagen, was Yates dazu bringt, Popper totzuschweigen. Unkenntnis? Sicher nicht im Sinne dass er von ihm noch nichts gehört hätte, schließlich zitiert er Kuhn und Feyerabend, die genau wie auch Hoppe gegen Popper polemisieren. Allerdings teilen alle drei genannten (zumindest in ihrer Polemik) ein falsches, trivialisiertes Popper-Bild, das eines Empiristen der Verifikation durch Falsifikation ersetzt hat. Könnte also sein dass er Popper selbst nicht gelesen hat, weil er ihn aufgrund solch fehlgeleiteter Kritik für einen uninteressanten Empiristen hielt.

  3. Werner L. Ende:
    May 21, 2012 at 02:00 PM

    @ilja Deine Anmerkungen finde ich gut. Die Replik von Radnitzky auf eine Hoppe-Kritk passt hierzu:
    http://www.radnitzky.de/pub/1995d.pdf





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