Der Apriorist - Online Magazin 3.2 veröffentlicht: 13. May. 2012

Wettbewerb der schlechten Menschen

von Hans-Hermann Hoppe

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Kapitel II aus dem Buch "Der Wettbewerb der Gauner - Über das Unwesen der Demokratie und den Ausweg in die Privatrechtsgesellschaft", Berlin: Holzinger Verlag, 2012: S. 25-30.

Tags: Demokratiekritik, Wettbewerb | Comments (0)

Wie schon die Kapitelüberschrift nahelegt, ist Wettbewerb nicht per se gut.

Viele Personen, die die Vorteile des Wettbewerbs im Marktsystem kennen und schätzen gelernt haben, glauben, dass Wettbewerb alle Dinge heilen kann. Dem ist jedoch nicht so. So wie Wettbewerb bei der Herstellung guter Dinge die Dinge noch besser macht, so macht Wettbewerb bei der Herstellung schlechter Dinge die Dinge noch schlechter.

Womit man beim Thema Demokratie angelangt ist. Die ganze Welt scheint heute vom Spruch Abraham Lincolns überzeugt zu sein, dass Demokratie Regierung »des Volkes durch das Volk und für das Volk« sei. Das hat fatale Folgen. Denn tatsächlich handelt es sich beim »demokratischen Wettbewerb« um einen Wettbewerb der Gauner, der keinerlei Gutes bewirkt, sondern ganz im Gegenteil zur Heranbildung von sowohl in wirtschaftlicher wie in moralischer Hinsicht üblen Charakteren führt – kurz: zu zunehmend schlechten Menschen.

***

Der Wettbewerb der Gauner
Über das Unwesen der Demokratie
und
den Ausweg in die Privatrechtsgesellschaft

Berlin 2012, 91 Seiten, Broschur,
ISBN 978-392639658-7, Holzinger-Verlag,
12,- Euro

Eine der unter Volkswirten weitestgehend akzeptierten Thesen ist folgende: Vom Blickwinkel des Konsumenten ist jedes Monopol schlecht. Das Monopol wird im klassischen Sinne als exklusiv garantiertes Privileg eines einzelnen Anbieters von Gütern oder Leistungen verstanden oder als die Abwesenheit des freien Eintritts in eine bestimmte Art der Produktion. Mit anderen Worten: Nur ein bestimmter Akteur, A, darf ein bestimmtes Gut, X, anbieten. Für einen Konsumenten ist solch ein Monopol nachteilig, weil der Monopolist vor dem möglichen Eintritt neuer Wettbewerber in seinen Produktionssektor geschützt ist und der Preis seines Produktes X daher höher und die Qualität von X eher geringer sein wird als sonst.

Diese elementare Wahrheit ist häufig als Argument zugunsten der demokratischen Herrschaft gegenüber der klassischen, monarchischen oder fürstlichen Herrschaft ins Feld geführt worden. Denn unter demokratischen Bedingungen ist der Eintritt in den Regierungsapparat frei – jeder kann theoretisch Kanzler oder Präsident werden –, während dies in einer Monarchie dem König und seinen Nachkommen vorbehalten bleibt.

Trotzdem ist dieses Argument für die Demokratie in fataler Weise falsch. Freier Zugang ist nicht immer gut. Freier Zugang und Wettbewerb in der Produktion von Gütern (engl.: »goods«) ist gut, aber freier Wettbewerb in der Produktion schlechter Sachen (engl.: »bads«) ist es nicht.

Freier Zugang in das Geschäft von Folter und Genozid oder freier Wettbewerb bei der Geldfälschung oder beim Betrug sind zum Beispiel nicht gut. Er ist sogar schlechter als schlecht.

Welche Art von »Geschäft« betreibt also eine Regierung? Antwort: Der Staat ist kein gewöhnlicher Produzent von Gütern, der um beliebige, freiwillig zahlende Konsumenten buhlen muss. Der Staat ist stattdessen im »Geschäft« von Diebstahl und Ausbeutung engagiert – durch die Mittel der Besteuerung und Geldfälschung – sowie in der Hehlerei gestohlener Güter. Folglich verbessert freier Zugang in Regierungsgeschäfte nicht irgendetwas Gutes. Er macht Dinge stattdessen noch schlechter, als sie ohnehin schon sind; d.h., es verstärkt das Schlechte.

Da Menschen sind, wie sie sind, gibt es in jeder Gesellschaft auch Menschen, die das Eigentum anderer begehren. Einige Leute neigen dieser Haltung mehr zu als andere, aber Individuen lernen gewöhnlich, solchen Neigungen nicht nachzugeben, oder sie schämen sich dafür, wenn sie es doch tun.

Normalerweise sind nur wenige Individuen unfähig, ihr Begehren nach fremdem Eigentum erfolgreich zu unterdrücken. Und sie werden von ihren Mitmenschen als Kriminelle behandelt und durch Androhung physischer Strafen unter Kontrolle gehalten.

Unter fürstlicher Herrschaft kann nur eine Person – der Fürst selbst – in legaler Weise dem Wunsch nach fremdem Eigentum nachgehen. Und genau das ist es, was ihn zu einer potenziellen Gefahr und schlecht macht.

Trotzdem kann sich ein Fürst sein Begehren nach Umverteilung nicht unbeschränkt erfüllen, da alle anderen Mitglieder der Gesellschaft gelernt haben, das Wegnehmen und Verteilen von Eigentum anderer Menschen als etwas Beschämendes und Unmoralisches zu betrachten. Folglich betrachten sie auch alle Aktionen des Fürsten mit höchstem Argwohn.

Im klaren Gegensatz dazu darf, wenn der Zugang zu den Staatsgeschäften für jedermann offen ist, jeder frei sein Begehr nach fremdem Eigentum verkünden. Was vorher als unmoralisch galt und entsprechend unterdrückt wurde, wird nunmehr als legitimes Bestreben verstanden. Im Namen der Demokratie darf jeder jedes anderen Eigentum begehren; und jeder darf diesem Wunsch entsprechend handeln, vorausgesetzt nur, dass er Zugang in die Staatsgeschäfte findet. Unter demokratischen Bedingungen wird dadurch jede Person zu einer potenziellen Bedrohung.

Unter demokratischen Bedingungen wird folglich das populäre, aber unmoralische und antisoziale Begehren nach dem Eigentum anderer systematisch gestärkt.

Jede Forderung wird legitim, wenn sie nur unter dem besonderen Schutz der »Meinungsfreiheit« öffentlich geäußert wird. Alles kann proklamiert und beansprucht werden, und alles ist zu haben. Nicht einmal das scheinbar allersicherste private Eigentumsrecht ist davon ausgenommen. Noch schlimmer: Unter Massenwahlen herrscht die Tendenz vor, dass jene Mitglieder der Gesellschaft Eingang in die Staatsgeschäfte finden und in die besten Posten aufsteigen, die kaum oder keine Hemmungen haben, das Eigentum anderer Menschen zu entwenden, also gewohnheitsmäßige Amoralisten, die besonders talentiert sind, aus den vielfältigen, moralisch hemmungslosen und sich gegenseitig ausschließenden Forderungen Mehrheiten zu bilden (effiziente Demagogen). Daher wird eine schlechte Situation auf Grund des Wettbewerbs der Demagogen sogar noch schlechter.

Historisch war die Wahl eines Fürsten durch den Zufall seiner adeligen Herkunft bestimmt. Seine einzige personelle Qualifikation war normalerweise seine Erziehung als künftiger Fürst und als Bewahrer der Dynastie, ihres Ansehens und ihres Besitzes. Damit war natürlich nicht gesichert, dass ein Fürst nicht schlecht und gefährlich sein würde. Man bedenke aber, dass jeder Fürst, der in seiner primären Pflicht versagte, die Dynastie zu bewahren – z. B. das Land ruinierte, innere Unruhen, Aufruhr und Streit verursachte oder auf irgendeine andere Weise die Dynastie in eine gefährliche Lage brachte – sich sogleich dem Risiko aussetzte, von einem anderen Familienmitglied entweder neutralisiert oder gar ermordet zu werden.

Auch wenn der Zufall seiner Geburt und seine Erziehung nicht ausschließen konnten, dass ein Fürst schlecht und gefährlich wurde, so verhinderte es seine adelige Herkunft und fürstliche Erziehung umgekehrt auch nicht, dass er ein harmloser Dilettant oder sogar eine gute und moralische Person sein konnte.

Im Gegensatz dazu wird der Aufstieg guter oder harmloser Personen an die Spitze der Regierung nahezu unmöglich gemacht, wenn Regierungsamtsträger durch das Mittel der Volksabstimmung gewählt werden. Das Auswahlkriterium für Regierungschefs ist ihre erwiesene Effizienz als moralisch hemmungslose Demagogen. Folglich garantiert eine Demokratie geradezu, dass nur schlechte und gefährliche Machtmenschen bis an die Spitze des Staates gelangen. Aufgrund der Freiheit des politischen Wettbewerbes und der Wahl werden jene, die aufsteigen, zunehmend schlechte und gefährliche Individuen sein, die jedoch, weil sie bloß vorübergehende und ersetzbare Verwalter sind, nur selten das Ziel eines Anschlages werden.

Man kann in diesem Zusammenhang nichts Besseres tun, als H. L. Mencken zitieren.1 In seinem für ihn typischen Scharfsinn bemerkt er:

»Allein durch ihr Verdienst kommen Politiker, wenn überhaupt, nur selten an ihr Amt, am wenigsten in demokratischen Staaten. Sicher, manchmal passiert es dennoch, aber nur aufgrund eines Wunders. Sie werden normalerweise aus ganz anderen Gründen gewählt, führend darunter ist schlicht ihre Fähigkeit, die intellektuell Unterprivilegierten zu beeindrucken und zu begeistern ...

Wird es irgendjemand von ihnen wagen, die Wahrheit zu erzählen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit über die außen- und innenpolitische Lage ihres Landes?

Wird irgendjemand von ihnen auf Versprechungen verzichten, die er gar nicht erfüllen kann – die niemand erfüllen könnte?

Wird irgendjemand von ihnen ein Wort äußern, egal wie offensichtlich das die riesige schwachsinnige Meute beunruhigen oder befremden wird, die sich mit unberechtigter Hoffnung am öffentlichen Trog versammelt und sich im immer dünner werdenden Brei suhlt?

Antwort: Vielleicht am Anfang für ein paar Wochen … Aber nicht mehr, nachdem die Sache ordnungsgemäß angelaufen ist. Dann wird es Ernst… Sie werden allen, jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind in ihrem Land alles versprechen, was er, sie oder es sich wünscht. Sie werden im Land umherziehen, um nach Chancen zu suchen, die Reichen arm zu machen, um das Unabänderliche abzuändern, um das Unreparierbare zu reparieren, um das Unlösbare zu lösen, um das Unheilbare zu heilen. Sie werden alle Warzen heilen, indem sie Formeln darüber murmeln, und sie werden die Staatsschulden mit Geld zahlen, das niemand verdienen muss. Wenn einer von ihnen demonstriert, dass das Doppelte von Zwei Fünf ist, dann wird ein anderer beweisen, dass es Sechs, Sechseinhalb, Zehn, Zwanzig oder sonst etwas ist.

Kurz gefasst: Sie werden ihren sensiblen, ehrlichen und aufrichtigen Charakter ablegen und einfach Kandidaten für ein Amt werden, allein darauf versessen, Stimmen zu fangen. Wenn es soweit ist, werden sie alle wissen, selbst wenn einige von ihnen es jetzt noch nicht wissen, dass Stimmen in der Demokratie nicht durch vernünftiges Reden, sondern durch die Verbreitung von Unsinn gewonnen werden. Und sie werden sich mit großer Begeisterung dieser Aufgabe widmen. Bevor das Getöse vorüber ist, werden die meisten von ihnen sich tatsächlich von sich und ihrem unsinnigen Gerede selbst überzeugt haben.

Gewinner wird derjenige sein, der das Meiste verspricht und dabei die geringste Wahrscheinlichkeit besitzt, irgendetwas davon zu halten.«

1 H.L. Mencken. A Mencken Chrestomathy: His Own Selection of His Choicest Writing. New York: Vintage, 1982. www.amazon.com/exec/obidos/ASIN/0394752090.



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